Urheberrecht und Kopierschutz – meine Sicht der Dinge

Das Kopieren von geschützten Medien ist eine böse Sache. Oder? Zumindest gibt es genug Leute, die diesen Standpunkt vertreten. Ich will hier mal meine unqualifizierte Sicht der Dinge darstellen. Eigentlich sollte das weitgehend frei von Wertung sein, das ist mir allerdings nicht mal ansatzweise gelungen. Aber hey, das ist halt ein Blog.

In den sechziger Jahren kam das Problem in Form von Schallplatten und Tonbändern schonmal auf, denn mit entsprechenden Geräten konnte man Kopien von Musik erstellen. Damals wurde entschieden, dass es nicht möglich sei, jeden Haushalt auf illegale Kopien zu untersuchen und außerdem viele Menschen zu kriminalisieren, indem das Kopieren verboten wird. So wurde mit § 53 UrhG das Recht auf Privatkopie eingeführt und gleichzeitig eine Abgabe auf Tonträger und Kopiergeräte festgelegt um die Urheber zu „entschädigen“.

Diese Abgabe gibt es natürlich auch heute noch, sie sind fällig auf CD/DVD/Blu-ray-Brennern und die entsprechenden beschreibbaren Medien. Ist das Thema damit schon gegessen? Natürlich nicht, denn die Verwertungsgesellschaften hätte gern mehr und zwar teils auch deutlich mehr. Aber was sind denn nun eigentlich „Verwertungsgesellschaften“? Um mal die Wikipedia zu zitieren: Eine Verwertungsgesellschaft ist eine Einrichtung, die Urheberrechte oder verwandte Schutzrechte treuhänderisch für eine große Anzahl von Urhebern oder Inhabern verwandter Schutzrechte zur gemeinsamen Auswertung wahrnimmt. Damit steht sie z.B. über den Musiklabels, die ihrerseits Künstler beschäftigen. Die Abgaben auf Tonträger werden also in irgendeiner Art und Weise auf die Unternehmen aufgeteilt und mit etwas Glück kommt davon indirekt etwas beim eigentlichen Künstler an.

Künstler haben zumeist bei Musiklabels oder anderen Unternehmen Verträge, die klären, wie viel Geld sie sehen. Im Gegenzug treten sie ihre Rechte an den eigenen Werken ab (soweit das möglich ist) und das jeweilige Unternehmen kümmert sich im Gegenzug um die Möglichkeit für den Künstler, seine Kunst zu betreiben und ggf. bekannt zu werden. Und genau solche Unternehmen und Verwertungsgesellschaften sind es, die sich gern über „unzureichenden“ Urheberschutz und Raubkopien beklagen. Natürlich im Nahmen der Urheber, die selbstverständlich unheimlich davon profitieren würden, wenn ihre Musik nicht 70, sondern vielleicht noch 100 Jahre nach ihrem Tod geschützt wäre.

Tatsächlich darf kein Künstler die Werke eines anderen als Grundlage seiner eigenen Kunst nutzen, solang er keine Lizenzgebühren oder ähnliches an den Rechteinhaber abführt. Erstellt jemand ein tolles Video, unterlegt es mit Musik seines Lieblingskünstlers und lädt es auf Youtube hoch, so ist das bereits ein Verstoß gegen das Urheberrecht und kann Folgen nach sich ziehen – im einfachsten Fall wird das Video gelöscht. Und das gilt also bis 70 Jahre nach Tod des Urhebers. Wozu das Urheberrecht ursprünglich diente und inwiefern das heutige Gesetz eine ziemliche Pervertierung dessen ist, erklärt der US-Urheberrechts-Professor Josh Wattles in einem Interview. Demnach ging es darum, dass der Urheber die Möglichkeit erhält, als erstes und vor allen anderen Geld mit seinem Werk zu verdienen – heute geht es weit darüber hinaus.

Eine große Gefahr aber sehen die die Rechte besitzenden Unternehmen aber vor allem im illegalen Kopieren und Tauschen von Musikdateien. Um diese Gefahr zu verdeutlichen, werden auch gern mal abenteuerliche Hochrechnungen angestellt, wie u.a. ein Beispiel anhand der britischen Regierung zeigt. Außerdem wird gern angenommen, dass ein Großteil der Filesharer das Werk kaufen würde, gäbe es keine alternativen Wege, obwohl eine solche Behauptung nicht bewiesen ist. Genausowenig gibt es handfeste Untersuchungen, die Belegen, ob illegales Filesharing nun tatsächlich schädlich ist und falls ja, in welchem Maße. So ergab eine Umfrage, dass Nutzer illegaler Downloads mehr Geld für Musik ausgeben würden als andere. Mit dem Verfolgen der Filesharer würde man demnach seine beste Kundschaft verärgern.

Apropos beste Kundschaft: Tatsächlich sind es am Ende die ehrlichen Käufer, die von Kopierschutzmaßnahmen und ähnlichem betroffen sind. Man kauft eine CD im Laden und will die Musik darauf nicht nur zu Hause, sondern auch im Auto oder auf Arbeit hören. Ohne, dass man die CD permanent mitschleppt. Also muss eine Kopie her, schließlich darf man ja Privatkopien erstellen. Aber einen Kopierschutz darf man nicht umgehen. Tja, Pustekuchen. Oder man will nicht jeden Titel hören, sondern sich die besten zusammenkopieren auf eine CD. Geht halt auch nicht. Wenn die CD dank tollem Kopierschutz denn überhaupt in älteren Geräten abgespielt werden kann, da gab es ja auch schon jede Menge Probleme. Zum Glück gibt es aber Downloadportale, auf denen Musikstücke bereits ohne DRM heruntergeladen werden können (und ganz legal gegen Bezahlung). Die haben aber nur bedingt mit der Musikindustrie zu tun, denn die hat das scheinbar irgendwie verschlafen.

Ähnlich ist es leider bei PC-Spielen, die natürlich auch einen Schutz gegen illegales Kopieren beinhalten. Das führt soweit, dass sich der tolle Kopierschutz auf den PC tief ins System installiert, der Virenscanner deaktiviert werden muss, weil der sonst meckert und der Kram auch nicht ohne weiteres Deinstallierbar ist. Natürlich muss auch immer der Original-Datenträger im Laufwerk liegen, der darf nicht geschont werden und vielleicht muss in Zukunft während des Spielens eine permanente Internet-Verbindung gegeben sein, damit die Software nach Hause telefonieren kann, wie Ubisoft plant. Derjenige, der sich den Kram illegal besorgt oder einen Crack aufspielt, hat die Probleme nicht. Ehrliche Kunden werden geradezu dazu verführt, zu solchen Mitteln zu greifen. Der richtige Weg? Ich bezweifle es, zumal bisher noch kein Kopierschutz dafür gesorgt hat, dass ein Spiel nicht innerhalb kürzester Zeit gecrackt wurde. Die Maßnahmen treffen also letztlich nur den ehrlichen Käufer.

Angesichts dessen müssen sich die Verantwortlichen nach Alternativen umschauen. Es ist meiner Meinung nach offensichtlich, dass es so nicht funktioniert und daran wird sich nichts ändern, wenn die bestehenden Regelungen verschärft werden. Und es hilft auch nicht, Ideen mit fragwürdigen Argumenten von sich zu weisen, wie kürzlich mit der Kulturflatrate geschehen (siehe dazu Netzpolitik oder den offenen Brief von Matthias Spielkamp). Wie Alternativen aussehen könnten? Ich habe keine Ahnung. Aber mir ist klar, dass welche her müssen. Wird Zeit, dass das auch den entsprechenden Industrien klar wird.

Update: Auf Netzpoltik.org wurde heute eine Erwiderung auf die Thesen der Musikindustrie zur Musikflatrate veröffentlicht, in der der Autor auf jeden Punkt gesondert eingeht.

2 Antworten

  1. CDU Wähler says:

    Der Einsatz von Deep Packet Inspection könnte genau die Lösung sein. Nach meinung vieler Internet Experten könnte man so die installation von illegaler Tauschbörsensoftware wie Piratebay verhindern so das das Downloaden von kostenloser Musik und Filmen nicht mehr möglich ist.

    Der Staat ist dazu verpflichtet das Geistige Eigentum der Urheber zu schützen. Notfalls auch durch den Einsatz von Websperren. Als Gesetzestreuer Bürger tangiert mich das ja nicht. Über solch eine Sperre ärgern sich ohnehin nur diejenigen die illegales im Schilde führen.

  2. Peter says:

    Hm. The Pirate Bay ist eine Suchmaschine für Torrent-Dateien und damit ein Internetdienst – nichts, was ich installieren müsste. Tauschbörsen-Software ist grundsätzlich auch erstmal nicht illegal – illegal wird es erst dann, wenn damit urheberrechtlich geschützte Werke verbreitet werden. Da diese Software auf dem PC zu Hause installiert werden, hilft Deep Packet Inspection an dieser Stelle nicht weiter, sie könnte es u.U. aber ermöglichen, Datenverkehr von Tauschbörsen zu erkennen und ggf. zu unterbinden.

    Allerdings fände ich den Einsatz von DPI höchst problematisch – ich will schließlich auch nicht, dass meine Briefe in Poststationen geöffnet und (durch eine Maschine oder einen Menschen) ausgelesen wird. Da gilt ja sogar das Briefgeheimnis, das ich im übrigen für sehr sinnvoll halte. Mit DPI aber werden die Inhalte meiner elektronischen Kommunikation ausgelesen, was aus meiner Sicht gegen Grundrechte verstößt und verfassungsrechtlich nicht unproblematisch sein dürfte.

    DPI-Filter ließen sich mit Verschlüsselung aber umgehen, denn was verschlüsselt ist, kann nicht mal eben ausgelesen werden. Ebenso einfach lassen sich Websperren umgehen, Anleitungen dazu finden sich in Mengen. Zeitgleich wecken die Möglichkeiten von Web-Sperren aber Begehrlichkeiten auf mehr Sperren, wie sich sowohl hierzulande im Zuge der Zensursula-Gesetzgebung gezeigt hat, aber auch in anderen Ländern wie dem Iran, in dem Sperren ursprünglich wegen pornografischer Darstellung installiert wurden – dass diese inzwischen zu sehr viel mehr genutzt werden, sollte durch die Medien ja auch hinreichend bekannt sein. Entsprechend sollte eigentlich jeder Bürger, der sich frei von Einschränkungen und Zensur informieren will und der sich von seiner Regierung nicht bevormunden lassen will, gegen derartige Sperren sein, ungeachtet dessen, ob es ihn in erster Linie tangiert oder nicht.

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