EVE Online

Vor einigen Jahren habe ich eine EVE Online CD von der Games Convention mitgebracht, doch ausprobiert habe ich das Spiel damals nicht. Viel wusste ich zwar nicht, aber der Gedanke, dass man sein Schiff nicht direkt steuert, wie beispielsweise in Freelancer, gefiel mir nicht, denn ich wollte etwas mehr Action. Nachdem sich Anfang April ein Freund von mir einen Trial-Account angelegt hatte, habe ich EVE nun doch endlich mal angetestet und mir ebenfalls einen Account gemacht und siehe da, ich fand das Spiel doch ganz passabel. Die Probezeit ist vorbei und ich spiele immer noch.

EVE Online ist ein Sci-Fi-MMORPG, bei dem man als Spieler verschiedene Raumschiffe durchs All steuern kann. Ähnlich wie in GuildWars gibt es nur einen Server, auf dem sich alle Spieler tummeln. Nur China stellt eine Ausnahme dar und hat einen eigenen Server. So muss man sich anfangs nicht für einen bestimmten Server entscheiden und kann im Laufe des Spiels auf jeden anderen Spieler treffen. Allerdings herrscht keine Überbevölkerung, denn das Universum von EVE Online ist groß – so groß, dass eine Umrundung des Universums vier Tage dauert. Zu den Stoßzeiten (abends/nachts europäischer Zeit) sind meist rund 50000 Spieler gleichzeitig online.

Die Story kurz angerissen

Die Menschheit entdeckte ein natürliches Wurmloch, das sie EVE tauften und errichteten am weit entfernten Ausgang einige Stationen. Diese neue Welt nannten sie New Eden, doch eines Tages destabilisierte sich das Wurmloch und verschwand, während die errichteten Sprungtore noch ihren Dienst verrichteten. Doch diese wurden durch ein Phänomen einige Jahrzente später funktionsuntüchtig gemacht, womit die Kolonien fortan abgeschnitten von der Erde auf sich allein gestellt waren. Als Spieler startet man in dieser Welt einige tausend Jahre nach diesem Vorfall.

Steuerung

Kreuzer mit Drohnen bekämpft PiratenKreuzer mit Drohnen bekämpft Piraten

Sein Schiff steuert man nicht aus Sicht des Piloten, der in Flugrichtung schaut, sondern man ist eher der Captain, der die Befehle gibt. Das Geschehen betrachtet man von außen, das Schiff befindet sich in der Mitte des Bildschirms und man gibt Anweisungen wie Ziel umkreisen, annähern, warpen und ähnliches. Des Weiteren kann man verschiedene Module aktivieren, wie z.B. Geschütztürme, die dann den anvisierten Gegner beschießen. Rechts hat man ein Übersichtsfenster, in dem alle Objekte, die sich im All um das eigene Schiff befinden, anwählen kann.

Zusätzlich finden sich eine Reihe weiterer Buttons an der linken Seite, die Zugriff auf die Charakterübersicht, den Markt, geschlossene Verträge, Schiffsausrüstung und anderen Funktionen bieten. Sie sind auch von den Stationen aus aufrufbar, wenn man das Schiff nicht steuert. Man fühlt sich beim Spielen teilweise wie ein Manager, der alles beobachtet und im Hintergrund die (hoffentlich richtigen) Knöpfe drückt. Zwar muss man im Kampf auch mal schnelle Reaktionen zeigen, aber mit einer actiongeladenen Raumschlacht wie in Freelancer hat das wenig gemein.

Charakterentwicklung

Zu Beginn muss man sich bei der Charaktererstellung zwischen den vier spielbaren Rassen Amarr, Caldari, Gallente und Minmatarr entscheiden. Die Rassen unterscheiden sich in einigen wenigen Startfertigkeiten und dem Gebiet, in dem man seine ersten „Schritte“ im Weltraum unternimmt. Grundsätzlich schränkt die Rasse aber nicht ein – man kann jedes Schiff fliegen, das man will und jeder Aufgabe nachgehen, wenn man nur die richtigen Fertigkeiten erlernt. Wenn man seine Entscheidung nicht nach rollenspielerischen Aspekten fällt, wie die Story oder das Verhältnis der Rassen untereinander, dann nur nach dem jeweiligen Aussehen. Auch die Blutlinien etc., die man auswählen kann, haben im Prinip nur Auswirkungen auf das Portrait, das man anschließend zusammenklickt. Das war früher anders, hat sich aber mit dem letzten Add-On „Apocrypha“ geändert, damit EVE einsteigerfreundlicher wird.

Die Charakterentwicklung geschieht gänzlich über erlernbare Fertigkeiten. Es gibt keine Klassen oder ähnliche Einschränkungen, bei denen man zu Beginn eine Entscheidung treffen muss. Fertigkeiten bauen aufeinander auf und haben jeweils fünf Stufen. Je höher die Stufe oder je weiter fortgeschritten die Fertigkeit ist, desto länger dauert es, die nächste Stufe zu erlernen. Charaktere können nicht, wie in vielen anderen Spielen, anhand ihres Levels verglichen werden – so etwas gibt es nicht. Stattdessen könnte man sie anhand der gelernten Skillpunkte oder Fertigkeiten vergleichen, aber das ist schwierig, da man sich als Anfänger z.B. stark auf Bergbau spezialisieren könnte, während ein alteingesessener Spieler, der seinen Fokus eher auf den PvP-Kampf gelegt hat, nicht so gut im Bergbau ist.

Skill Training QueueSkill Training Queue

Fertigkeiten gibt es in unterschiedlichen Kategorien. Sie dienen zum einen als Voraussetzungen zum Benutzen von Schiffen und Modulen, wie die Frigatten-Skills in der Kategorie „Spaceship Command“, zum anderen aber geben sie Boni auf die Verwendung oder Eigenschaften von Modulen und Schiffen. So gibt es Fähigkeiten, mit denen das eigene Schiff wendiger wird oder mit denen Waffentürme mehr Schaden machen. Das Erlernen der Fertigkeiten geschieht nicht durch Benutzung, sondern im Hintergrund, während man spielt oder auch offline ist. Die Daten der Skill-Books werden praktisch direkt ins Gehirn des Raumfahrers übertragen und das dauert seine Zeit. So hat die Onlinezeit einen geringeren Einfluss darauf, wie schnell man vorankommt. Alle im Spiel verfügbaren Fertigkeiten zu erlernen würde übrigens über 20 Jahre dauern, was wohl vor allem auf die Vielfalt an Schiffen und Schiffsmodulen zurückzuführen ist. Kein Spieler wird je alles fliegen und benutzen können, die Charakterentwicklung hört so praktisch nie auf.

Wie schnell man eine Fertigkeit lernt, hängt von den eigenen Attributen ab. Derer gibt es fünf: Gedächtnis, Intelligenz, Willenskraft, Auffassungsgabe und Charisma. Jede Fertigkeit hat ein primäres und ein sekundäres Attribut, die die Lernzeit beeinflussen. Einmal pro Jahr darf man seine Attribute neu verteilen, ein neuer Charakter darf das sogar zweimal. Will man beispielsweise vorwiegend Bergbau betreiben, Erze veredeln und Gegenstände produzieren, sollte man Gedächtnis und Intelligenz steigern, während Kampfpiloten Auffassungsgabe und Willenskraft nicht vernachlässigen dürfen. Attribute können weiterhin durch Implantate und die Learning-Skills erhöht werden, die man, falls man länger spielen will, unbedingt lernen sollte. Auf Dauer gesehen wird man damit seine Lernzeit etwa halbieren.

Wirtschaft

Neben dem Behaupten von Territorien und dem direkten Kampf gegen andere Spieler kann man sich auch im weiten Feld der Wirtschaft betätigen. Diese ist bei EVE Online nicht nur Beiwerk, sondern ein grundlegender und wichtiger Bestandteil. So wurde z.B. ein Großteil der umherfliegenden Schiffe von Spielern erbaut – ohne eine funktionierende Wirtschaft gäbe es diese damit nicht.

Alles beginnt beim Bergbau. Spieler fliegen mit ihren Schiffen in Asteroidengürtel, um aus den großen Gesteinsbrocken verschiedenste Erz herauszuziehen. Um nicht permanent zwischen Asteroiden und Station pendeln zu müssen, bietet es sich an, die Erze in einem Container im All zwischenzulagern und sie später mit einem größeren Frachtschiff abzuholen. Vorteilhaft ist hier das Zusammenspiel mit anderen Piloten, die permanent das Erz abholen, während man selbst ohne Unterbrechung Bergbau betreiben kann. Auf der Station werden die Erze schließlich zu Mineralien raffiniert.

Zur Produktion werden Blaupausen benötigt, die angeben, welche Materialien in welchen Mengen für die Herstellung zur Verfügung gestellt werden müssen. Solche Blaupausen werden im Allgemeinen auf Effizienz hin erforscht – so geht später das Produzieren schneller und es werden weniger Mineralien benötigt. Ohne diese Verbesserungen wird man es schwer haben, auf dem Markt günstige Preise verlangen zu können, denn am Ende soll ja ein Gewinn herauskommen. Produzenten brauchen also solche von Forschern erstellten Blaupausen oder Kopien dieser, die nur eine begrenzte Anzahl von Herstellungsvorgängen zulassen. Außerdem werden natürlich Rohstoffe in Form von Mineralien benötigt. Das Ergebnis sind Schiffe, Module, Munition, Drohnen usw., die selbst verwendet oder auf dem Markt verkauft werden können.

Die Preise für Produkte, Blaupausen und Rohstoffe variieren teils recht stark zwischen verschiedenen Regionen und Systemen, aber auch von Tag zu Tag, je nach Angebot und Nachfrage. An diesem Punkt kommen Händler ins Spiel, die Gegenstände günstig einkaufen, um sie an anderer Stelle gewinnbringend weiter zu verkaufen. Dazu ist eine gute Kenntnis der Marktes und der Preisentwicklung nötig, wie auch die Möglichkeit, teils größere Mengen mit Frachtern transportieren zu können. Fertigkeiten, die Händler unterstützen, senken zum Beispiel die Marktgebühren oder Erhöhen die Anzahl der Verkaufsaufträge, die zur gleichen Zeit im Markt sein können.

Alles auf einmal – also Beschaffer der Rohstoffe, Raffinierer, Forscher, Produzent und Händler – das schafft kaum jemand, denn das wären zu viele Fertigkeiten, die ein einzelner erlernen müsste, um gewinnbringend zu arbeiten. Daher spezialisiert man sich häufig bzw. beschränkt sich auf wenige der Aufgaben. Noch besser ist es hingegen, sich mit anderen Spielern zu einer Corporation zusammenzuschließen, in der die Aufgaben verteilt und koordiniert werden. Der CEO wird dafür spezielle Fertigkeiten antrainiert haben, die das Verwalten und Koordinieren seiner Firma vereinfachen. Früher oder später wird man schwerlich drumherum kommen, sich einer Corporation anzuschließen, denn das bietet viele Vorteile und Hilfestellung durch Mitspieler.

Einsteigerfreundlichkeit

Die Lernkurve von EVE Online ist recht steilDie Lernkurve von EVE Online ist recht steil

EVE Online ist sehr komplex – zu komplex, um noch einfach für Neueinsteiger zu sein. Am Anfang wird man erschlagen von Möglichkeiten und Freiheiten und selbst manch alteingesessener Spieler lernt noch jeden Tag dazu. Man sollte bereit sein, viel zu lesen oder eine anfängerfreundlichen Corporation suchen, sonst wirft man möglicherweise schon frühzeitig das Handtuch. Um herauszufinden, ob EVE überhaupt etwas für einen ist, empfielt es sich, mit einem Trial-Account die Tutorials zu spielen und ein wenig herumzuprobieren. Die Tutorials sollte man aber auch mit jedem neu angelegten Charakter machen, denn sie bringen einem nicht nur das Spiel näher, sondern auch die ersten ISK (die Währung im EVE Universum) und Fertigkeiten ein.

Wenn man sich dann eingehender mit dem Spiel beschäftigen will, kann man sich den (leider nicht ganz aktuellen) Players Guide anschauen, eine Anleitung für Neueinsteiger lesen und sich mal ein wenig durch das Forum von eveger.de klicken, denn dort findet man jede Menge Hilfe. Eine Übersicht darüber, was man im Spiel alles machen und erreichen kann, bietet der EVE Online Career Guide – in diesem 55 MB großem PDF findet man eine Auflistung vieler Karrierepfade und Spezialisierungen. Und auch sonst gilt: Viel lesen und aufmerksam den Hilfe-Channel im Spiel verfolgen, den ihr über „Channels & Mailinglists“ (links im Menü) unter dem Stichpunkt „Help“ erreichen könnt.

Fazit

EVE Online ist wie ein großer Sandkasten. Die Spieler haben im Grunde alles in der Hand – sie kämpfen um Territorium, spielen Pirat oder schützen andere Spieler und beeinflussen die Wirtschaft. Wer ein Spiel mit größtmöglicher Freiheit sucht, in dem man kaum eingeschränkt wird und wer sich gleichzeitig nicht scheut, in das komplexe System einzutauchen und sich zu informieren, der kann sich EVE ansehen. Wer lieber schnelle Action und zeitig Erfolge sehen will, der sollte lieber die Finger davon lassen. Da ich ohnehin jemand bin, der fast lieber Guides liest, als spielt, ist für mich die Einarbeitung kein wirkliches Problem und ein komplexes Spiel hat auch seinen Reiz. Daher auch meine Entscheidung, EVE Online mal eine Chance zu geben.

6 Antworten

  1. Flo says:

    Tja leider gehen diese „kleineren“ Projekte irgendwann unter. Keine Chance gegen WoW,Warhammer oder HdR.
    Die Communities sind dort halt viel größer und somit auch der Support. Ich mag diese ganzen kostenplfichtigen Online Kram, meine Alternative wäre dann Guild Wars etc. Wobei man hier dann für 1000 Addons das Geld ausgeben darf!

  2. ex-ratt says:

    EVE macht auf mich nicht den Eindruck, es würde bald untergehen, im Gegenteil. Es hat sich seit 2003 gehalten, hat von vorn herein nicht mit Massen an Spielern gerechnet und die Zahl der Spieler steigt stetig an, erst recht seit dem letzten Add-On. Und es ist halt mit WoW und Konsorten nicht vergleichbar, das Spielprinzip ist ein ganz anderes und damit hat es denke ich eine Nische gefunden, in der sich bisher kein anderes Spiel breitgemacht hat.

    An sich ist mir ein Prinzip wie GuildWars auch lieber. Weil man nicht das Gefühl hat, spielen zu müssen, weil man ja fortwährend (monatlich) dafür bezahlt. Und am Ende kommt man mit den Add-Ons glaub ich auch ein wenige günstiger, als bei WoW und hat dazu dann noch so schicke Spielekartons rumstehen. Gut, sind halt Staubfänger, aber ich mag das Gefühl, so ne Packung in den Händen zu halten kurz nach dem Kauf und die Vorfreude und so… Bei den Patches/Erweiterungen der Onlinespiele hat man das halt nicht.

  3. Anonymous says:

    @Flo: kleinere projekte 😀 der größte gameserver der welt ist ein kleines projekt oder wie? 😀

  4. Der Gunni says:

    Moin zusammen.

    Also ich spiel EVE schon seit einigen Jahre. Ich habe auch schon andere Mmorpg

  5. mile says:

    joa, eve online, geiles spiel, zocke es selbst seit mittlerweilefast 2 jahren (auch paar pausen zwischen)
    bin sowieso ein weltraumschiffspiel freak, habe X X2 und X3 gezockt und viele andere sachen ebenfalls, aber das tut net zur sache^^
    wow habe ich auch viel gespielt, aber eve ist einfach… anders =)
    die community ist SEHR erwachsen, man bekommt hilfe wenn man fragt, es gibt viele einsteigerfreundliche corps in allen richtungen (außer vielleicht die super highend 00 allianzen)
    und man hat nicht andauernt irgentwelche kiddys, mit denen man sich in HDR rumschlagen muss ^.~
    meiner meinung nach das beste spiel aller zeiten!

    MfG Mile

  6. Kayron says:

    EVE ist, um es klar zu sagen, weder vergleichbar mit WoW noch besonders einsteigerfreundlich. Für alle gilt, Englisch ist unersetzbar. Anfänger/ Beginner (Newbies/ Noobs) sollten zum einen die Tutorials vollständnig spielen (gibt einen Eindruck von der Breite und Tiefe des Spieles und nebenbei ein paar Schiffe und ISK (ingamewährung) und zum anderen die NPTS, die die CCP Devs etc. veranstalten, nutzen und teilnehmen >>> https://wiki.eveonline.com/en/wiki/Category:New_Player_Training_Sessions.
    Wer dann noch nicht weiß, was er will, der schaut sich das hier an >>> http://swiftandbitter.com/eve/wtd/.
    Und wie zu jedem guten Spiel gehören diese >>> https://wiki.eveonline.com/en/wiki/3rd_party_tools?utm_source=Launcher&utm_medium=LauncherAd&utm_term=Wiki&utm_campaign=3rdParty.
    Und sollte es dann immer noch nicht passen, dann soll es halt nicht so sein – alles kann, nichts muss 😉
    In diesem Sinne fly safe or reckless or …

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