Cygwin

Es gibt immer wieder Momente, da denke ich, dass es ganz angenehm wäre, wenn ich unter Linux entwickeln würde und nicht unter Windows. Einer dieser Momente ist es, wenn ich mit der Kommandozeile von Windows arbeiten muss, da die Vervollständigung von Pfadnamen per Tab recht bescheiden ist, mir die Linux-Befehle etwas geläufiger sind und weil unter Windows kaum sinnvolle Tools wie Subversion oder ähnliches vorinstalliert sind. Allerdings kenne ich jetzt eine Alternative zur parallelen Linux-Installation.

Kennengelernt habe ich dieses praktische Stück Software diese Woche in meinem Praktikum. Cygwin heißt das gute Stück und es stellt eine Bash dar, die direkt unter Windows ausgeführt werden kann. Dabei emuliert Cygwin die Unix-API, was es ermöglicht, nach Windows portierte Unix-Anwendungen zu benutzen.

Um das Programm zu installieren, muss zuerst die recht kleine setup.exe heruntergeladen werden. Ein Ausführen dieser Datei startet erwartungsgemäß die Installation. In dieser wählt man dann aus, ob man direkt installieren oder die benötigten Dateien nur herunterladen will, um sie später zu installieren (recht praktisch, wenn man Cygwin auf mehreren Rechnern installieren will, die teilweise auch nicht ans Internet angeschlossen sind). Für eine einzelne Installation aber reicht es auch aus, direkt zu installieren.

Im nächsten Schritt wird abgefragt, wohin Cygwin installiert werden soll, ob es für alle Nutzer verfügbar sein soll und welches Format Textdateien haben sollen. Hier lasse ich alles auf den Voreinstellungen. Daraufhin wird das Verzeichnis erfragt, in dem die Installationsdateien hinterlegt werden sollen. Darauf kann man für spätere Installationen wieder zurückgreifen.

Zuletzt muss man noch angeben, ob eine direkte Internetverbindung besteht oder ein Proxy nötig ist, bevor man schließlich noch einen Mirror auswählt. Dabei kann es sicher nicht schaden, einen Server zu wählen, der in der Nähe ist. Wenn das geschehen ist, sieht man eine Baumansicht aus verfügbaren Modulen. Dort finden sich viele nützliche Programme, wie das anfangs erwähnte Subversion oder der Kommandozeilen-Editor vi. Dann beginnt der Download und ggf. die Installation.

Man kann seine Installation relativ einfach updaten, indem man die setup.exe ein weiteres Mal ausführt. Die bereits installierten Pakete sind dann schon angewählt und man kann weitere hinzufügen. Nach dem Start von Cygwin wird man darauf hingewiesen, wo man .bashrc und co. finden kann, nämlich unterhalb von /home/username. Die drei nach dem Start genannten Dateien werden nicht vom Programm überschrieben und können, wie unter jedem Linux-System, für persönliche Einstellungen genutzt werden. Die eigenen Partitionen bzw. Festplatten findet man übrigens unter /cygdrive/laufwerksbuchstabe.

Eine Empfehlung meinerseits: Wenn ihr Cygwin geöffnet habt, dann macht mal einen Rechtsklick auf die Titelleiste und wählt „Eigenschaften“ bzw. „Properties“ aus. Dort könnt ihr im ersten Reiter „Options“ den „Quick Edit Mode“ anwählen, durch den es möglich wird, mit der Maus Bereiche zu markieren, um sie z.B. in die Zwischenablage zu kopieren. Unter dem Reiter „Layout“ könnt ihr dann noch die Größe des Fensters verändern und, was möglicherweise wichtiger ist, es lässt sich die Anzahl der gespeicherten Zeilen erhöhen, falls man mal weit zurückscrollen muss. Bei mir steht der Wert auf 9999. Diese Einstellungen kann man übrigens auch auf die normale Windows-Kommandozeile anwenden.

Ein gutes Tutorial beschreibt die Installation etwas ausführlicher mit Bildern und geht anschließend auf die Konfiguration von X Windows ein. So ist es möglich, Unix-Programme mit GUI unter Windows auszuführen. Zu guter Letzt wird noch beschrieben, wie man sich per SSH bzw. Telnet mit einem anderen Rechner verbindet.

Abschließend möchte ich nochmal die Vorzüge von Cygwin zusammenfassen:

  1. Eine vernünftige Kommandozeile
  2. Unix-Kommandos
  3. Shell-Scripte
  4. Herunterladen von Tools über Cygwin, ohne nach Downloads suchen zu müssen
  5. Ein wenig Linux-Flair, ohne Linux tatsächlich installieren zu müssen

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  1. Wicket Feedreader - rattlab.net 21. September 2008 um 16:16

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